«Dr. Lidar»: Technologien aus der Autoindustrie in der Alterspflege

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gdi

Alzheimer und Auto, kommt das gut? Durchaus – aber anders. Tatsächlich könnten pflegebedürftige Menschen bald von modernen Technologien selbstfahrender Autos profitieren. Und zwar zu Hause.

Bis zum Tod im eigenen Zuhause leben – ein Wunsch vieler, der sich dank neuer Technologien und künstlicher Intelligenz für immer mehr Menschen erfüllen könnte. Bei IBM Research wird zur Zeit der Einsatz von Lidar-Technologie in der Pflege untersucht. Lidar kommt  in selbstfahrenden Autos für die räumliche Wahrnehmung zum Einsatz. Die Umgebung wird via Laserwellen ausgemessen, die Daten über Künstliche Intelligenz zu einem räumlichen Bild des Umfelds verarbeitet, sodass Objekte erkannt werden können und beispielsweise von einem selbstfahrend Auto als zu umfahrendes Hindernis wahrgenommen werden.

Dieses Prinzip könnte auch in der Alterspflege eingesetzt werden. Ein entsprechendes Gerät kann mit einem Radiosignal, das nur ein Tausendstel so stark ist wie Wi-Fi, jeden Gegenstand im Umkreis von zehn Metern reflektieren. Selbst kleinste Bewegungen des menschlichen Körpers, etwa die Gangart oder das Schlafverhalten, der Standort und sogar das Atemmuster von Menschen können abgebildet werden. Diese Daten werden an Daten-Zentren übermittelt , wo Maschinenlernalgorithmen Muster in den Tausenden von gemessenen Bewegungen erkennen. Die Lidar-Technologie liefert so einen sehr detaillierten Einblick ins Zuhause, ohne jedoch persönliche Merkmale der beobachteten Person preiszugeben. Denn die Darstellung der Daten bleibt schemenhaft: Einzelne Objekte werden als Rechtecke dargestellt und Menschen als Punkte. 

Im Praxis-Einsatz in der Pflege könnte die Lidar-Technologie zum Beispiel erkennen, wenn jemand stürzt. Die Ärztin oder der Arzt würde umgehend benachrichtigt, so dass sie rasch Hilfe schicken könnten. Auch könnte diese Form der Überwachung dabei helfen, Anpassungen in der Versorgung, Betreuung und Pflege vorzunehmen. So wäre für Ärztinnen und Ärzte direkt ersichtlich, wie aktiv eine Person ist oder wie sie sich im Schlaf verhält. Daraus könnten dann entsprechende Massnahmen wie beispielsweise eine Anpassung der Medikation abgeleitet werden. Ein Leben in den eigenen vier Wänden wäre bei einer solchen Art der Überwachung länger möglich. 

Nebst den Vorteilen für die älteren Menschen birgt die Nutzung der Lidar-Technologie auch grosses Potential für die Wissenschaft. Durch die detaillierte Überwachung könnten neue Erkenntnisse über Krankheitsverläufe gewonnen werden. In der Demenzforschung etwa könnten subtile Verhaltensveränderungen so bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung besser erkannt und erforscht werden. Eine grosse Chance für die Betroffenen, den Fortschritt der Krankheit zu verlangsamen. 

Quelle:www.gdi.ch